Die Anzahl der täglichen Taxifahrgäste in Moskau und Umgebung hat sich seit 2019 fast verdoppelt und betrug im vergangenen Jahr 1,72 Mio. Der Anteil von Yandex unter den Taxi-Anbietern in der russischen Hauptstadt liegt bei über 96%, gefolgt von Drivee mit 3% und Maxim mit weniger als 1%. Im Coronajahr 2020 hatte Yandex einen Marktanteil von rund 70%, seitdem haben Anbieter wie der Weltmarktführer Uber den russischen Markt verlassen und ihre Anteile an Yandex verkauft.
2025: Neue Regeln und weitere Verteuerung
Laut dem Moskauer Verkehrsministerium gibt es in Moskau und Region 200.300 registrierte Passagiertaxis. Täglich sind in der Hauptstadt etwa 46.000 Taxis unterwegs, in der Region weitere 50.000. Die Preise für Taxifahrten sind ebenfalls gestiegen. Laut der russischen Statistikbehörde Rosstat betrugen die durchschnittlichen Kosten pro Kilometer im Dezember vergangenen Jahres 47,8 Rubel, rund 50 Cent, 16% mehr als im Vorjahr. Allerdings verlangsamt sich das Preiswachstum: Zwischen November und Dezember 2024 sanken die Kosten um 0,25%.
Weltmetropolen im Taxipreis-Vergleich
Moskau zählt im weltweiten Vergleich noch immer zu den Metropolen mit den günstigsten Taxipreisen. Sie liegen auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie in Peking (0,55 Euro pro Kilometer). Deutlich teurer sind New York (3,14 Euro), London (2,97 Euro), Tokio (1,90 Euro) und Berlin mit 2,80 Euro oder Paris mit 2,66 Euro pro Kilometer. Experten führen die aktuelle Preissenkung in Moskau auf den ungewöhnlich warmen Winter zurück. Durch weniger Schnee verbesserten sich die Straßenbedingungen und ermöglichten schnellere Fahrzeiten. Wirtschaftswissenschaftler prognostizieren für 2025 einen weiteren Anstieg der Taxipreise um 7% bis 19%. Während die Preise in Moskau im Januar durchschnittlich 837 Rubel (9 Euro) pro Fahrt betrugen, lag der landesweite Durchschnittspreis bei 427 Rubel (rund 5 Euro).
Ab dem 1. März 2025 müssen Taxifahrer in Moskau einen Zertifizierungstest bestehen, um weiterhin Aufträge über Plattformen wie Yandex zu erhalten. Der Test umfasst zehn Fragen aus einem Pool von 300 möglichen Fragen und dauert 20 Minuten. Der Leiter der Abteilung für Taxitransporte des Moskauer Verkehrsministeriums, Sergej Aleksijuk, erklärte, dass von den rund 150.000 aktiven Taxifahrern bereits 65.900 die Prüfung bestanden haben. Mehr als 80% der Teilnehmer bestehen den Test im ersten Versuch. Fahrer, die den Test nicht bestehen, werden von der Taxiauftragsannahme ausgeschlossen.
Milliardenpotenzial durch Roboautos
Eine Studie von Yakov und Partners, der früheren russischen Filiale des amerikanischen Beratungsunternehmens McKinsey, aus dem Februar untersucht die Zukunft autonomer Fahrzeuge in Russland. Laut der Analyse „Robots at the wheel: Outlook for the transition to self-driving vehicles in Russia“ könnten bis 2035 etwa 25% aller Fahrzeuge auf russischen Straßen autonom fahren. Bis 2042 soll dieser Anteil auf 80% steigen. Die Einführung selbstfahrender Autos könnte der russischen Wirtschaft jährlich Mehreinnahmen von 4,6 Bio. Rubel (50 Mrd. Euro) bringen, so die Branchenanalysten. Die Zahl der Verkehrsunfälle könnte signifikant sinken, da 88% aller Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Durch Staus verursachten wirtschaftlichen Verluste liegen derzeit bei bis zu 2,5 Bio. Rubel (28 Mrd. Euro) pro Jahr. Eine effizientere Nutzung von Transportmitteln könnte die Produktivität steigern, was einem zusätzlichen Arbeitskräftepotenzial von 2,8 Mio. Menschen entspricht. Seit 2023 kursieren Yandex Robotaxis im Moskauer Bezirk Jasenewo, jedoch sitzt zur Sicherheit noch ein Fahrer im Auto.
Amerikaner und Chinesen können schon aktuell fahrerlose Robotaxis per App bestellen. In den Städten Phoenix, San Francisco und Wuhan gibt es kommerzielle Robotaxi-Dienste von Waymo und Baidu, die sich großer Popularität erfreuen. / Gazeta.ru, Profile.ru, RBC (alle RU), Techcrunch, TASS, Waymo, Yakov and Partners (alle EN), Listando
Dieser Artikel erschien zuerst im Morgentelegramm und auf der Website der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer.